Die "Wikingertour" nach Skandinavien von Uwe Schomber

Teilnehmer: Frank Liborius, Mike Walk, Uwe Schomber

vom 28.08.02 - 01.09.02

Wie üblich bei uns, kommt von irgendjemand ein Anruf, wir könnten ja mal wieder nach Frankreich fliegen. Nachdem wir uns das Satellitenbild von Frankreich angeschaut haben, entschliessen wir uns Richtung Norden zu fliegen. Dort herrscht zu diesem Zeitpunkt eine stabile Hochdrucklage. Gesagt getan, also Richtung Schweden. Wir wollen uns bei Frank in Northeim treffen, Mike von Lauterbach kommend, ich von Gießen-Lützellinden (Lüli). Ich starte am 28. August um 1200 UTC. Das Wetter lädt in Gießen und Lauterbach nicht gerade zum Fliegen ein, in Northeim soll aber, laut Frank, blauer Himmel vorherrschen. Also starten wir!
Mike fliegt über dem „Dreck", ich in Kiebitzmindestflughöhe durch das Schwalmtal, ab Fritzlar dann der Autobahn entlang nach Northeim. Die Landschaft sieht bei diesem Wetter gespenstisch aus. Mike rechnet damit, dass spätestens über Kassel das „Loch vom Dienst" erscheint, das ist aber leider nicht der Fall. Die Wolkendecke reisst erst direkt über dem Flugplatz Northeim auf.
Nachdem wir uns begrüsst haben, fliegen wir mit unseren drei Kiebitzen nach Norden. Unseren ersten Stopp legen wir in Uelzen zum Tanken ein. Nach einer kleinen Pause geht es dann weiter zur Ostsee. Die Gegend wird allmählich flacher und unter uns zieht eine Seen-Landschaft vorbei. Bei Lübeck wird es langsam dunkel, zu unserem Tagesziel Grube, müssten wir es eigentlich noch schaffen. Als wir in der Dämmerung den Strand entlang fliegen, begleitet uns ein Blitzlichtgewitter von Touristen, die zu dieser späten Zeit noch am Strand sind. Wir landen in Grube mit dem letzten Sonnenlicht. Grube ist ein kleiner Ort nördlich von Lübeck. Die Leute sind total nett hier! Plötzlich kommt eine Invasion von schwarzen Käfern!!! Keiner hat eine Ahnung was das für Käfer sind. Zum Glück ist der Spuk schnell wieder vorbei. Nach diesem kleinen Intermezzo beschliessen wir in dem Ort nach etwas essbarem Ausschau zu halten. Nachdem wir gut griechisch gegessen haben, gehen wir wieder zu unseren Flugzeugen, breiten unsere Schlafsäcke aus, legen uns unter die Tragfläche und schauen uns die Sterne an.

Am nächsten Morgen ist erst mal eine Lagebesprechung bei strahlendem Sonnenschein. Als Tagesziel wird Lund in Schweden festgelegt.

Wir geben einen Flugplan bei Bremen-Information auf und starten um 1000 UTC. Wir steigen auf ca. 5.000ft. und fliegen dann über Fehmarn nach Dänemark. Die Strecke über das Wasser sieht fantastisch aus. Wir fliegen an Kopenhagen vorbei, rüber nach Schweden. Wir erleben traumhaft schöne Eindrücke - vereinzelte Wolken und ein tiefblaues Meer unter uns. Ich hätte nicht gedacht, dass die Ostsee solche Farben bieten kann. Man könnte denken, man ist in der Karibik!

In Schweden sieht die Landschaft ganz anders aus als bei uns in Deutschland oder in Dänemark. Es erinnert mich sehr stark an Wisconsin, das liegt an den Grossen Seen, USA. (Dort war ich vor 20 Jahren mal zum Schüleraustausch und hab 2000 eine Tour in dieser Gegend mit einer 152er Cessna gemacht. Diesen Bericht sende ich, wenn ich mal wieder Zeit finde). Die Gegend ist viel dünner besiedelt, als man das von hier kennt.

Als wir in Lund ankommen, überfliegen wir erst mal die Stadt. Sieht so aus, als sei in dieser Stadt nicht viel los. Wir entschliessen uns trotzdem, nach 2,5 Std. Flugzeit, zur Landung. Den Flugplan schliessen wir am Boden, da wir mit Malmö-Control während des Fluges keinen Funkkontakt herstellen können.

Am Flugplatz ist kein Mensch, also laufen wir erst mal in die Stadt. Der Eindruck, den wir aus der Luft hatten, war falsch. Es sprudelt von Leben (wunderschöne Schwedenmädels), man weiss gar nicht mehr, wo man hingucken soll! Am späten Abend (Nacht) laufen wir dann wieder zum Flugplatz und schauen uns die schwedischen Sterne an. Will heissen, wir liegen wieder unter unseren Tragflächen. Am nächsten Morgen kommt ein Auto angefahren, wir dachten schon hier lässt sich nie einer blicken. Ein sehr netter Mann steigt aus, und wir kommen ins Gespräch. Er bietet uns an, in seiner Firma die Personaldusche zu benutzen. Dieses Angebot nehmen wir dankend an!

An diesem Tag, den 29.08.02 fliegen wir kreuz und quer durch Süd-Schweden. Wir fliegen über dünn besiedeltes Land. Wälder, Felder Seen und das Meer wechseln sich ab. In Eslöv lernen wir Stan kennen. Ihm gehört eine 450PS- Stearman, das ist ein Traum von einem Flugzeug! Er verdient sich seine Brötchen mit Barnstorming, Wingwalking u.s.w. Er ist in ganz Europa auf Flugshows unterwegs.
Am Abend fliegen wir, mit vielen neuen Eindrücken, wieder zurück nach Lund.

In Lund erzählt man uns von einem Treffen der dänischen Selbstbauer in Endelave. Das ist eine dänische Insel in der Ostsee. Also, nix wie los nach Dänemark!
Das Wetter hat sich mittlerweile verschlechtert. Der Wind weht genau aus Süd-West, also Gegenwind. Unsere Groundspeed beträgt magere 35 Knötchen. Somit müssen wir über eine Stunde über die Ostsee fliegen. Als wir über der offenen See sind wird es im Funk plötzlich still zwischen uns, keiner sagt mehr ein Wort. Meer und Himmel vermischen sich zu einem Einheitsgrau, ein Horizont ist kaum noch auszumachen. Weit und breit ist kein Land in Sicht. Plötzlich unterbricht Mike die Stille, er meint: „Das is ja wie im Film. Patrouille überm Süd-Pazifik (Major Boington - Black Sheeps)". Es ist schon ein eigenartiges Gefühl so lange über Wasser zu fliegen. Eigentlich haben wir uns das so vorgestellt, dass wir von Schiff zu Schiff fliegen, nur für den Fall der Fälle. Aber weit und breit ist kein einziges Schiff zu sehen. Endlich sehen wir in der Ferne eine Insel, Endelave! Die Flugzeit: 2h:42'. Der Wind bläst immer noch recht heftig. Nachdem wir alle drei bei extremem Seitenwind gelandet sind, bekommen wir von den anwesenden Piloten/innen Applaus. Die Feier anschliessend ist entsprechend gut. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Jens Toft und seine Frau für die Gastfreundschaft und das schöne Fest, das sie ausgerichtet haben.

Am nächsten Tag, 31.08.02, geht es weiter nach Aerö. Aerö ist ebenfalls eine Insel und liegt in der „dänischen Südsee". Diese Gegend wird wegen des türkisfarbenen Meeres so genannt. Nachdem wir gelandet sind, leihen wir uns Fahrräder aus. Frank verlieren dann irgendwie aus den Augen, da er einen anderen Weg einschlägt. Mike und ich schauen uns die Insel und ein kleines Hafenstädtchen an, von Frank ist weit und breit keine Spur zu sehen. Auf dem Rückweg zum Flugplatz kommen wir an einer Hütte vorbei, in der ein dänischer Motorrad-Club eine Party feiert. Und siehe da, da ist auch Frank! Diese Wikinger können wirklich feiern!!! Wir sitzen bis zum Sonnenaufgang am Lagerfeuer.

Am Nachmittag, nachdem alle wieder nüchtern sind, setzten wir uns in unsere Flieger, und die Dänen setzen sich auf ihre Motorräder. Als sie im Hafen auf die Fähre warten, verabschieden wir uns standesgemäss mit einem Formationsflug. Ich denke, bis dahin haben die uns das nicht so richtig geglaubt, dass wir mit Doppeldecker aus Deutschland da sind.
Wir schliessen diesmal den Flugplan per Funk bei Bremen-Information und landen zum letzten Tankstopp in Nienburg-Holzbalge.
Wir starten in Formation am 01.09.02 in Nienburg um 1610 UTC. Frank nach Northeim, Mike nach Lauterbach und ich fliege wieder nach Lützellinden.
Das war wieder so ne Tour, die keiner von uns mehr vergisst. Schweden und Dänemark sind wirklich zu empfehlen. Sehr nette Leute, traumhaft schöne Landschaften, glasklare Luft und günstiges Avgas. In Schweden ca. 0,70€, in Dänemark etwa 1,00€ pro Liter.

Gesamtflugzeit: 18h:17min.