Arbeitsanleitung zum Einbau eines Zündmagneten.

Der ein oder andere von uns wird früher oder später mit dem Problem des Zünd-
magneteinbau`s konfrontiert werden. Entweder weil der vorhandene Zündmagnet defekt ist, oder weil er nach Zeitablauf geprüft werden muss. In jedem Fall muss der Magnet wieder an den Motor, den ohne läuft er nicht.

Es gibt mehrere Möglichkeiten an das Problem heranzugehen. Die einfachste: Man kennt jemanden, der sein Handwerk beherrscht und der viel Übung in der Sache hat. Die zweite: Man bedient sich einer Einbauanleitung und macht es selbst.

Das Ausbauen eines Magneten ist in der Regel recht einfach. Alle Kabel ab, alle Schrauben lösen und raus damit, fertig.
Der korrekte Einbau macht dem einen oder anderen schon mächtig Sorgen.
Schon so oft habe ich es erlebt, dass ein mit den Nerven blank liegender Motorseglerwart am Flieger steht, den Magneten zum fünften mal aus- und eingebaut hat und der Motor immer noch nicht läuft. "Nur die Ruhe, das haben wir gleich". Der Wart schaut mich ungläubig an, zwei, drei Handgriffe, das Einstellgerät her, fertig, Motor läuft. Ich kann den Motorseglerwart von einem Selbstmord gerade noch bewahren. "Wie hast du das jetzt gemacht?" Das ist die häufigste Frage die ich bis heute gehört habe.
Um den einen oder anderen auch von einem Selbstmord zu bewahren, hier eine Anleitung zum Einbau eines Zündmagneten.
Die erste Frage, die sich stellt ist, um welchen Motor oder Motortypen handelt es sich überhaupt. In unseren Motorseglern finden wir unter der Cowling in der Regel entweder einen Limbach- oder einen Sauermotor.
Rotax hat keinen Magneten und auf die anderen, diversen Triebwerke, die nicht
allzu häufig sind möchte ich hier nicht eingehen.

Limbach:
Hier gibt es auf der Homepage von Limbach (www.limflug.de) eine Wartungsanweisung 18.4 zum Downloaden. Alles prima und sauber erklärt, hier kann man fast nichts verkehrt machen. Am wichtigsten ist jedoch dieser Arretierungsstift W113.
Achtung: Nicht den Magneten drehen, wenn der Stift noch im Magneten steckt. Sobald der Magnet montiert ist, den Stift sofort ziehen. Selbst Profis ist es passiert, dass der Magnet mit eingestecktem Stift am Motor montiert war und es wurde am Propeller gedreht. Sollte das vorkommen, Magneten ausbauen und zur Reparatur schicken.

Sauer:
Beim Sauermotor ist die Sache nicht so einfach, es gibt auch nichts zum Downloaden auf der Homepage. (www.sauer-flugmotorenbau.de)
Beim Sauermotor können wir den Stift W113 leider nicht verwenden, weil beim Sauer die Zündkabel in einer anderen Konfiguration verlaufen. Also müssen wir anders vorgehen. Ich beschränke mich hier nur auf den Einbau des Zündmagneten, die Arbeitsschritte beschreiben den Zustand eines Motors mit ausgebautem Magnet.


Hauptschalter und Zündung ausschalten. Alle Zündkabel von den Kerzen entfernen.

Zündkerze des ersten Zylinders (vorn links) herausschrauben und in den Kerzenstecker des 1. Zylinders Stecken.

Motor drehen und dabei den Daumen auf das Kerzenloch drücken.
Wird ein deutlicher Druck spürbar, ist der erste Zylinder im Kommpressionstakt. Mit einem Stift oder dünnen Schraubenzieher durch das Kerzenloch den "oberen Totpunkt" suchen.

Motor in Drehrichtung weiterdrehen, bis die beiden Antriebsgummis im Magnetantrieb des Motors senkrecht stehen. Hier besteht die geringste Gefahr das die Gummis um- oder herausfallen. Man kann die beiden Gummis auch mit etwas Fett oder Klebstoff fixieren.

Zündgeschirr am Magneten befestigen. (3 Imbussschrauben mit Zollgewinde)

Magneten so lange von Hand drehen und abschnappen lassen, bis ein Zündfunke an der Kerze des 1. Zylinders zu sehen ist. Jetzt steht auch die Schnapperglocke des Magneten senkrecht. Den Zündmagneten gefühlvoll in den Antrieb stecken und mit den beiden Klemmpratzen und Schrauben so befestigen, das der Magnet sich gerade noch von Hand drehen lässt. Das Spielchen ist nicht einfach, weil die Gummis, meistens jedenfalls, nicht da sind wo sie hingehören. Man braucht schon etwas Übung um das beim 1. Mal hinzukriegen.

Motor entgegen der Drehrichtung drehen. (ca. 120 Grad) Motor wieder in Drehrichtung drehen und kontrollieren ob der Zündfunke an der 1. Kerze überspringt, wenn der Magnet schnappt. Macht er das, ist die meiste Arbeit schon erledigt.

Mit einem Zündzeitpunkteinstellgerät von Limbach, Slick oder anderen Herstellern den Zündzeitpunkt von 25 Grad vor OT (oberer Totpunkt) ein-
stellen.

Entweder ist auf der Starterscheibe oder woanders eine Markierung für den Zündzeitpunkt angebracht. Sollte das nicht der Fall sein gehen wir folgendermaßen vor. Dem Motor auf OT stellen. Hier wieder die Suche mit dem Stift durch das Kerzenloch. Einen Zahn des Anlasserkranzes zeichnen und eine Markierung am Gehäuse machen. Steht der Motor auf OT, stehen auch die beiden Markierungen übereinander.

Nun 9 Zähne des Anlasserkranzes entgegen der Drehrichtung abzählen und den neunten Zahn ebenfalls zeichnen. Am besten mit roter Farbe. Das ist der Zündzeitpunkt. (25 Grad)
Zündzeitpunktmarkierung durch drehen des Motors mit der Markierung am Gehäuse in Übereinstimmung bringen.
Den Magneten jetzt von Hand drehen, bis die Leuchtdioden oder der Piepser, das ist von Gerät zu Gerät unterschiedlich, den Zündzeitpunkt angeben.


Die Schrauben der Magnethalterung festziehen und die Kurzschlusskabel am Magneten anbringen.
Die Zündkerze des 1. Zylinders wieder montieren und mit 20Nm anziehen.
Alle Zündkabel auf die Kerzen stecken und Standlauf durchführen. Wenn alle Punkte der Einbauanleitung befolgt wurden, müsste der Motor laufen. Wenn nicht, dann das ganze Spielchen noch mal. Irgendwann klappt es.

Peter Doelle 28.10.02