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Vom Rhein zur Adria im Doppeldecker (Karwoche 1999) Bürstädter UL Flieger unterwegs
Sand in Taufers und das Pustertal in Südtirol ist bei Bürstadts Skifahrern sehr bekannt. Schon jahrelang veranstaltet unser Skiclub und die Fa.Kollerer Skifahrten in das Gebiet und es haben sich zwangsläufig zwischen den Gästen und den Wirtsleuten Freundschaften entwickelt. So auch zu Franz Mayerhof er vom Hotel Burgfrieden in Gais, der immer öfters stichelte, ich solle doch mal statt mit Kollerers Schneefieberfahrt mit meinem selbstgebauten Ultraleichtflugzeug Kiebitz, einem Doppeldecker nach Gais in Südtirol kommen.
So einfach ist das aber nicht.
Zu solch einem Flug gehört eine gewisse fliegerische Erfahrung, eine gründliche Alpeneinweisung und ein etwas stärkeres Nervenkostüm um auch mit widrigen Umständen wie Wetter, Technik, Bürokratie oder einer Ehefrau, die sich Sorgen macht, fertig zu werden. Das alles muß man lernen und trainieren.
Dank meinem Fliegerkameraden Michael Platzer, der mit mir auch bei schlechtem Wetter größere und schwierige Strecken fliegt und mich auch bewußt an die Grenzen heranführt, wo man Flüge abbrechen muß, ohne Rücksicht auf die zuhause wartende Familie, traue ich mir solch einen Flug mittlerweile zu.
Die Schneefieberfahrt im Februar nach Gais wurde daher auch genutzt um a.)mit den entsprechenden Behörden Kontakt aufzunehmen, b.) einen geeigneten Landeplatz auszusuchen, c.) eine geeignete Route über den Alpenhauptkamm der Ostalpen festzulegen. Aus dem Internet habe ich Informationen über das Ultraleichtf liegen in Italien herausgefunden, die ich kaum glauben kann. In Italien ist in der Fliegerei vieles anders als bei uns. In Deutschland muß man mindestens 300 m über Grund fliegen - in Italien darf man unter der Woche höchstens 150 m und am Wochenende max. 300 m über Grund fliegen.
Irgendwann bekomme ich dann die Telefonnr. von Umberto de Paolo aus Piazola in Norditalien. Umberto ist Rentner und einer der wenigen Italiener, die Deutsch können. Umberto ist 68 Jahre alt, geht im Winter Skifahren und im Sommer fliegt er mit seinem Ultraleicht. Eine gewisse Berühmtheit hat er dadurch erlangt, daß er mit der Tragfläche seines Fliegers eine 20.000 KV Leitung bei Bozen gekappt hat, aus dem Flieger mit einer gebrochenen Rippe ausgestiegen ist, sich seinen Fotoaparat geschnappt hat und die abgerissene Tragfläche fotografierte, wie sie in der Etsch fortschwamm. Wer Umberto kennenlernt, merkt gleich, daß er sich dabei die Batterie für die nächsten 30 Jahre aufgeladen haben muß. Er hat Michael und mich eingeladen, ihn zu besuchen und am besten zum größten europäischen UL Treffen nach Bassano-Thiene zu kommen. Viel mehr konnte er mir aber auch nicht sagen- nur, daß man mit UL-Flugzeugen in Italien nicht auf normalen Flugplätzen landen darf .Neben speziellen Ultraleichtfluggeländen langt aber schon eine Wiese, wo nur der Grundstückseigentümer dem Flugverkehr zustimmen muß.
Eine geeignete Wiese liegt 500 m vom Hotel Burgfrieden unterhalb von Schloß Neuhaus- um die Zustimmung des Bauern kümmert sich unser Wirt Franz Mayerhofer
Jetzt lag es noch an der Routenplanung: Betrachtet man im Schulatlas die Ostalpen, die von den Westalpen in etwa durch das Rheintal und den St. Gotthard getrennt werden, so fallen einem große, in Ost-Westrichtuflg verlaufende Täler auf: nämlich das Inntal, das Salzachtal und das Ennstal nördlich des AlpenhauptkammeS. Südlich des Hauptkanimes sind es das Etschtal, das Pustertal und das Drautal. Die Flüsse entwässern die Alpen in nördliche bzw.südliche Richtung, liegen also in etwa auf unserem Kurs.Der Talboden ist selten höher als 600 m - viele Wege führen also von Norden bzw. Süden mitten ins Gebirge. Über den Alpenhauptkamm mit den 3000-4000 m hohen Eisriesen der Ötztaler und Zillertaler Alpen, dem Großvenediger, den Hohen Tauern und im Osten Niederen Tauern führen Pässe und Scharten. Der niedrigste Paß ist der Brenner mit immerhin 1300m Höhe.
Ca.50 km nördlich des Brenners liegt der Innsbrucker Verkehrsflughafen mit seiner Kontrollzone. Leichter zu erreichen und direkt am Alpenkamm ist Zell am See. Das soll unser Treffpunkt am Gründonnerstag sein.
Das Wetter scheint gut zu werden. Michael braucht Resturlaub auf und fliegt schon am Dienstag los. Ich mache mich Donnerstag gegen 11:00 auf den langen Flug. Der Kiebitz ist durchgesehen, beladen, vollgetankt und klettert im Dunst langsam auf 700 m Höhe . So geht es bei Weinheim in den Odenwald. Bei Hirschhorn wird der Neckar überquert und schon liegt das Autobahnkreuz Weinsberg unter mir. Mit Karte und Uhr errechne ich einen Gegenwind von ungefähr 30 km/h. Fliege ich über Eggenfelden und den Chiemsee nach Zell am See oder westlich von München über Jesenwang und Kufstein? Bei diesem Wind ist nicht mit dichtem Bodennebel in der Donauebene zu rechnen, wie es vor 14 Tagen war, also steuere ich Jesenwang an. Ich gehe tiefer, da erfahrungsgemäß der Wind in Bodennähe schwacher ist. Dafür bekomme ich alle Hangauf- und Abwinde der schwäbischen Alb mit. Das Fliegerchen dreht sich manchmal fast auf den Rücken-es geht hoch und runter mit urplötzlichen Schlägen so daß ich besorgt nach dem Auslösegriff des Fallschirms schiele. Wenn 's in den Alpen auch so bockt- dann gute Nacht Marie! Irgendwann bin ich an der Donau - der Wind dreht jetzt auf Ost- das Gelände wird flacher und damit lassen auch die schweren Turbulenzen nach- dafür hat es in der labilen Luft ziemlich heftige thermische Aufwinde- es beutelt nicht viel weniger. Um 14:00 lande ich in Jesenwang. Beim Anflug auf diesen Landeplatz muß ich sorgfältig navigieren um nicht in die Kontrollzonen der Flugplätze Augsburg, Lager Lechfeld und Fürstenfeldbruck zu kommen. In Jesenwang gibt es nur teures Flugbenzin. Mit Landegebühr, Flugplan und 30 L Avgas werde ich 85,- DM los. Um 14.50 ist mein Flugplan angenommen ,d.h. eine Meldung von der Deutschen Flugsicherungsbehörde an die österreichiche Flugsicherung, daß demnächst Lausecker kommt(bei grenzüberschreitendem Verkehr vorgeschrieben). Weiter geht es über Ammersee, Starnbergersee zur Inntalautobahn bei Kufstein. Entlang der Berge wird der Wind schwächer und als es bei Kufstein am Wilden Kaiser vorbeigeht, ist der Wind nur noch schwach, weht aber an jeder Ecke aus einer anderen Richtung. Dafür verschwindet langsam der Dunst und die klare Bergluft sorgt für ein beeindruckendes Panorama. In den Tälern liegt noch Schnee- eine Landung könnte hier problematisch werden. Als dieser Gedanke gerade zu Ende gedacht ist, zuckt das Temperaturmeßgerät. Gleichzeitig fällt der Öldruck. Da mit leichten Schlägen auf die Uhren sich die Zeiger in Normalbereiche begeben, muß ein Anzeigefehler vorliegen. Einige Tests bestätigen die Vermutung und so werden die 110 Grad Wassertemperatur ignoriert und nur noch alle 5 min mit einem leichten Antippen festgestellt, ob alles in Ordnung ist. Gegen 16.30 erreiche ich Zell am See. Michael erwartet mich schon. Wir besprechen unsere Route und geben den Flugplan für einen Flug mit Ultraleichtflugzeugen von Zell nach Italien auf. In den Flugplänen werden die Flugplätze mit aus 4 Buchstaben bestehenden Kürzeln bezeichnet. LOWZ steht für Zell. Wie nennen wir unsere Wiese in Bruneck? Ich meine endlich Schreiben wir einfach GAIS - das sind 4 Buchstaben und genauso heißt unser Zielort. Zu der Verwunderung aller Umstehenden nimmt die Kontrollstelle Bozen den Flugplan an. Jetzt wird es ernst.
Ich rufe Franz in Gais an und melde unsere Ankunft gegen 18.30. Start frei- Wir fliegen im Verband über die vorgeschriebene Abflugroute. Ich wundere mich schon, daß mein Flieger trotz Mehrgewicht heute bedeutend besser steigt als Michaels Flieger. Und schon meldet sich Michael, daß er nochmals landen muß, weil sein Motor nur auf 3 Zylinder läuft. Unsere Startmeldung nach Bozen ist noch nicht abgegeben. So beschließe ich erstmal auszuprobieren, wie hoch mein aus Alurohr, Stoff und einem 50 PS Micra Motor bestehender Flieger mich trägt. Ich steige bis auf 2300m Meereshöhe. Die Berge ringsum sind schon sehr hoch- besonders wenn man drüber will. Nach 10 min kommt Michael, nachdem er die 4 Zündkerzen seines Nissan Micra Motores geputzt hat, nach. Über einer Stromleitung am Kapruner Tal warte ich auf ihn. Nebeneinander geht es das Salzachtal entlang Richtung Westen nach Mittersill. Hier, zwischen Großvenediger und Großglockner wollen wir über den Kamm. An Schroffen, Karen, Gipfelkreuzen vorbei steigen wir auf 3.200 m Höhe. Im Falle einer Motorstörung erreichen wir wegen der Steilheit des Geländes auf jeden Fall das Salzachtal zur sicheren Landung. Neben schneebedeckten Türmen geht es bei toller Sicht und ruhiger Luft nach Huben am Defregger Gebirge. Den Hauptkamm haben wir hinter uns- sind aber noch in Österreich. Richtung Westen fliegen wir nach St. Jakob zum Hochgall. Über den Staller Sattel geht es nach Südtirol. Jetzt kann nicht mehr viel schief gehen. Richtung Süden folgen wir einem Fluß, der uns sicher ins Pustertal bringt. Am nächsten Talausgang ist schon der Kronplatz von der Olangseite aus zu sehen. Auf diesem wunderschönen Skiberg liegt herrlicher Schnee. Die Pisten sind bis ins Tal hervorragend präpariert. Die Skisaison geht dort bis Anfang Mai, während im Tal der Frühling Einzug hält.
Einen kurzen Moment herrscht Unklarheit, in welchem Tal Gais liegt. Aber ein charakteristischer Baum auf der Anhöhe vor der nach Sand in Taufers führenden Straße zeigt uns den Weg. Schloß Neuhaus ist wie das Hotel Burgfrieden leicht zu erkennen. Über unsere Landwiese mache ich einen tiefen Überflug, um Michael den Platz zu zeigen. Von Süden her fliege ich über die nach Sand zum Speikboden führende Straße an und lande. So einfach ist das in Italien. Nachdem Michael auch sicher unten ist, schließen wir unseren Flugplan in Bozen per Handy und schon holt Franz Mayerhofer uns ab, der bis zum Schluß an einen Aprilscherz geglaubt hat. Stimmt ja, heute ist der 1. April. Die Flieger werden festgebunden und wir beziehen im Haus Burgfrieden unsere Zimmer. Nach dem wie immer in Südtirol ausgezeichneten Abendessen sitzen wir noch beisammen und freuen uns, dass alles so gut geklappt hat. Am Karfreitag kauft Franz mit uns an der Tankstelle für jeden 201 Normalbenzin. Heute wollen wir über Bozen zu Umberto nach Thiene- 100 km westlich von Venedig. Richtung Pfalzen geht es über die von vielen "Kollerers Schneefieberskifahrten" bekannte Landschaft. Bei Brixen stoßen wir auf das Eisacktal und die Autobahn nach Bozen. Es wird diesig -Über Klausen, vorbei an Kastelruth können wir links neben uns nur den Schlern mit der dahinter liegenden Seiseralm vermuten. Auf dem Talboden sind jetzt viele Obstplantagen zu sehen, die hinter Bozen von Weinbergen abgelöst werden. Jeder qm freies Land trägt Rebstöcke .Das Tal wird von senkrecht aufsteigenden Wänden begrenzt. Bei der Vorstellung, dass es sich hier um ein bekanntes Kletttergebiet handelt, wird es einem schon beim Hinschauen schwindlig.Es ist halt nicht jedermanns Sache, an einer 300 m senkrecht abfallenden Wand sich an wenige Vorsprünge zu klammern. Unsere Sorge gilt aber einem eventuellen Notlandeplatz. Das sieht hier sehr schlecht aus und in Zukunft werden wir um das auf der Karte so einladend aussehenden Bozener Tal einen Bogen machen. 8 Minuten nach Überqueren des Flugplatzes Trento geht es über Rovereto nach Osten in ein Tal. Vorbei am Cima Palon erreichen wir die Alpensüdseite bei Piovene. Im Dunst fliegen wir Thiene an und landen. Kaum einer spricht hier deutsch oder englisch. Wir finden Umberto und lassen uns Tips für unseren weiteren Flug geben. In Thiene- Bassano findet über Ostern eines der größten UL Treffen in Europa statt, nämlich das "Monte Grappa-Meeting". Jetzt weiß ich auch, wo das Getränk herkommt- Reisen bildet halt! Auch hier verblüfft uns die Lockerheit, mit der geflogen wird. Steilkurven gleich nach dem Start, Kunstflug knapp über dem Boden-gleichzeitig Flugzeugschlepp- in Deutschland undenkbar, weil hier Sicherheit und Lärmvermeidung sehr viel wichtiger genommen werden.
Vom Mittelmeer trennen uns jetzt nur noch die Kontrollzonen der Militärplätze Aviano Chioggia und Rivolto. In Deutschland ist es verboten, in solch ein Sperrgebiet einzufliegen. Anders in Italien: "Nur tief bleiben, maximal 100 m über Grund," so heißt die Empfehlung der Einheimischen. Wir legen unseren Kurs fest. Nach dem Start in Thiene wollen wir Richtung Nordost fliegen bis zur Piave. Der Piave werden wir bis Caposile bei Jesolo an der Venezianischen Lagune folgen. Ein gerade gelandeter Segelflugzeugpilot berichtet von Gewittern westlich des Platzes- also nichts wie weg. Über eine Landschaft, wie sie italienischer nicht sein kann, geht es im Tiefflug dahin. Pinien, Rebstöcke, Obstplantagen, auf dem einen oder anderer Hügel ein Kastell im Stauferstil, prächtige Landsitze mit imposanten Gartenanlagen ziehen unter uns vorbei. Am Monte Grappa vorbei erreichen wir die Piave, einen naturbelassenen Fluß mit 400 m breitem Kiesbett, in dem für das Frühjahr überraschend wenig Wasser fließt. Wenn man so tief über das Land fliegt, sieht man nicht nur mehr- man riecht auch das Land; Hier grillt jemand- da wird Holz verbrannt - dort wird Schnaps, vielleicht Grappa destilliert. Beim Überflug des Flugplatzes Thiene ist mir das erstmals aufgefallen. Plötzlich roch es ziemlich verbrannt, was einen Piloten natürlich beunruhigt. Nach der Landung war trotz intensiven Schnüffelns im Motorraum und an der Elektrik nichts festzustellen. Beim Betreten der Flugplatzkantine hatte ich aber denselben Duft in der Nase- klar, dem Koch war der Käse angebrannt! Wenn wir uns wegen des Einfluges in die Kontrollzone um die Militärplätze noch Sorgen machten, beim Anblick der vielen kleinen gepflegten Flugplätze längs der Piave vergeht das schnell. Hier fliegen noch mehr als wir. Trotz des Dunstes erreichen wir in der Abendsonne den Flugplatz Caposile und landen dort. Niemand ist da- alle sind in Bassano auf dem UL-Meeting. Michael wird ganz unruhig." Laß uns hier abhauen" meint er, Wenn ein Windsack schon eine Bügelfalte hat, wenn die Lampen so akkurat aufgehängt sind, das Gras so sauber gemäht ist- das müssen Spinner sein, die machen uns Schwierigkeiten, das kenne ich!". Wir diskutieren noch- ich möchte gar zu gerne ans Meer in eine Fischerkneipe und bei 20 Grad im Schlafsack unter der Tragfläche schlafen. Michael überzeugt mich anschließend mit folgendem Satz :" Guck dir nur mal den Wasserschlauch an, den haben die in den Abfluß gesteckt, damit es keine Wasserränder gibt" und nachdem ich hinzufügte "die fressen bestimmt auch kleine Kinder !" ist "freie Jagd" nach einem uns beiden angenehmen Landeplatz angesagt. ich bin gegen einen Flugplatz mit gastierendem Zirkus- schließlich finden wir inmitten von Weinbergen ein Landhaus mit Landebahn. Der Flugplatz ist auf unserer Karte nicht verzeichnet. Wir landen. Wieder ein Windsack mit Bügelfalte, alles super gepflegt, 2 Einheimische bringen Schilder an und begrüßen uns freundlich. Einer der beiden -Fabio wie er sich uns vorstellt- sagt, natürlich könnt ihr bleiben. Wir binden unsere Flieger hinter dem Haus an und schon werden wir in die Stadt ins beste Hotel gefahren. Ich muß lachen, weil Michael seit Zell am See jammert, daß er sparen muß, da ihm auf unerklärliche Weise 200 DM abhanden gekommen sind. Die Übernachtung im Schlafsack wäre unserer Reisekasse sicher gut bekommen. Michael wird sichtlich blasser, als er den Marmortresen und den Aufzug unserer Herberge sieht. Geld will er sich von mir ja nicht leihen. Also gibt es zum Abendessen vegetarische Pizza in der örtlichen Pizzeria- schließlich ist Karfreitag. Der Abend endet auf dem Marktplatz mit einer Flasche Wein. Auffallend, daß in jedem Speiselokal und sogar in der Kaffeebar am Marktplatz das Rauchen verpönt ist.
Am Karsamstag holt uns Fabio mit seinem Vater wie versprochen gegen 9.00 ab. Wir legen an einem Weingut einen Zwischenstop ein und werden großzügig mit einer Flasche besten Wein und Winzersekt beschenkt. Auf dem Flugplatz "Jonathan" sind alle Mitglieder versammelt. Die Mannschaft fliegt heute zum Treffen nach Bassano. Unsere Flieger werden bestaunt, besonders weil sie so ein leises, angenehmes Motorgeräusch haben- in Italien sind Motorgeräusche sehr viel kerniger. Wir bekommen von den Einheimischen noch eine gute Streckenberatung und die Ermahnung immer schön tief zu fliegen - so 80 -100 m wäre eine gute Höhe. Wir fliegen Ostkurs zum Fluß Tagliamento. Auch hier wieder ein breites Kiesbett mit wenig Wasser. Im Tiefflug geht es dem Flußbett entlang. Das ist hier gefahrlos möglich, da jede Kiesbank ein potentielles Notlandefeld ist. Vor Brücken und Hochspannungsleitungen ziehen wir kurz hoch. So geht es an Aviano vorbei, wo Jagdbomber ohne UN-Mandat zum Angriff auf Jugoslawien starten. Der deutsche Luftwaffengeneral, der 1941 gezielte Stukaangriffe auf Belgrad befohlen hatte, wurde übrigens 1947 nach einem Prozeß, ähnlich den Nürnberger Prozessen, in Belgrad erschossen. Recht hat anscheinend immer der Sieger. Schon bei den alten Römern hieß es ja Vae Victis" Wir überfliegen die Autobahnbrücke, die den Tagliamento quert -jetzt haben wir die Kontrollzone verlassen und sind auch schon in den Alpen nahe der slowenischen Grenze. Wir steigen auf 1800 m in der unruhigen Luft. Geschickt nützt Michael die Hangaufwinde aus. In schmalen Tälern geht es über Ponteba, Malborghetto und Tarvisio nach Nötsch im Gailtal. Dort werden 40 L Sprit getankt und anschließend suchen wir im Donnersbach Halbedelsteine, sogenannte Granate. Michael läßt halt keine Gelegenheit aus, die Reisekasse aufzubessern. Leider finden wir nur Bierflaschensplitter und so fliegen wir gegen 15:10 wieder Richtung Alpenhauptkamm. An dem zwischen Millstätter und Wörthersee liegenden Ossiacher See geht es das Gurktal entlang nach Friesach. Wie es sich gehört machen wir um den Militärflugplatz Zeltweg einen großen Bogen und kommen an den Niederen Tauern vorbei nach Trieben. In diesem Tal, 60 km ostwärts, liegt Krieglach, die Bürstädter Partnerstadt, die wir an Christi Himmelfahrt Anfang Mai anfliegen wollen.
Am Toten Gebirge vorbei geht es über Michelsdorf Richtung Linz an die Donau. So eindrucksvoll und lieblich die italienische Landschaft sein mag- die grünen Hügel, die Wälder, die Flüsse unserer Heimat gefallen mir besser. "Man muß das Fremde sehen, um die Heimat zu lieben," sagt ein Sprichwort. Unser heutiges Ziel heißt Sonnen im Bayrischen Wald. Dort wollen wir uns mit den Fliegerkameraden Isenberg aus Jesenwang und Heinz Ott aus Kulmbach treffen. Michael wird der Treibstoff knapp und so fliegen wir im Sparflug zum 950 m hohen Flugplatz Sonnen. Auf Heinz Ott ist Verlaß - hingegen hat Andreas Isenberg nicht den Mut gefunden, die 200 km gen Osten zu fliegen. Anscheinend ist er in München doch zum "Platzadler" mutiert, der nur noch in Sichtweite des Heimatflugplatzes fliegt. Mein Bruder Walter vom Runenhof in Bischofsreut holt uns in Sonnen ab und aus dem frühlingshaften Italien kommend sind wir wieder mitten im Winter gelandet. Hier liegt noch Schnee und auch in Haidmühle-Schnellenzipf am Skizentrum Mitterfirmiansreut sind alle Lifte in Betrieb. Am Kaminfeuer im Runenhof lassen wir die vergangen 3 Tage nochmal aufleben. Sie sind uns durch die Masse an Eindrücken wie 3 Wochen erschienen. Am Ostersonntag fliegen Heinz und Michael nach Hause. In schweren Schauern und schlechter Sicht leiden die Flieger ganz erheblich. Die dicken Regentropfen hinterlassen auch an Propellern mit Metallkante ihre Spuren. Ich selbst fliege Ostermontag bei diesigem aber rel. trockenem Wetter über Waldkirchen an die Donau. An der Befreiungshalle in Kehlheim vorbei geht es das Altmühltal entlang zum Odenwald. Gegen 17.00 lande ich auf unserer Flugplatzwiese. Die Osterhasen hoppeln beim Anschweben des Doppeldeckers kurz auf den angrenzenden Acker. Beim Zurückrollen nehmen Sie kaum Notiz von mir.
Mit 20 Flugstunden, 110 km/h Reisegeschwindigkeit und ca. 195 l Benzin wurde eine Strecke bewältigt, für die man mit dem PKW ca 3.300 km 28 h lang auf der Straße unterwegs gewesen wäre. Zu Berücksichtigen ist ferner, daß wir selten die kürzeste Strecke geflogen sind, sondern die Route den landschaftlichen Gegebenheiten angepaßt haben.
Ende Wieder ohne Honorar
Bürstadt- Jesenwang Jesenwang-Zell am See Zell am See -Bruneck Bruneck - Thiene Thiene- Jesolo Jesolo- Nötsch/Gailtal Nötsch-Sonnen Sonnen- Bürstadt
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