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Von Günzburg nach Dresden - und durch die Hölle zurück von Wolfgang Theisinger D-MALM
Da ich es leider wieder nicht geschafft habe, zum Kiebitztreffen nach Riesa zu fliegen (aber ich konnte mich wenigstens mit dem Video von Petra trösten und habe es mir für 2004 fest vorgenommen!) und ich mir schon immer mal das Elbsandsteingebirge von oben ansehen wollte, bot sich Ende August ein geschäftlicher Termin in Dresden an. Und wie es das Schicksal will, nahm dort auch ein flugsüchtiger Kollege teil, so dass eine gemeinsame Anreise nahe lag: Alfons Wahl mit seiner Tequilla" Sunrise D-MAFIa und ich, Wolfgang Theisinger, mit meinem Kiebitz D-MALM.
Alfons reiste von Mühlacker bei Karlsruhe an, ich von Günzburg (LEGOLAND). Wir vereinbarten, uns in Kulmbach in Franken zu Treffen. Alfons kam vom Südwesten, ich vom Süden, und das Timing war so gut, dass wir uns mittags in der Platzrunde über Kulmbach trafen.
In Kulmbach wurden wir freundlich empfangen und tankten unsere Vögel voll. Nach einem kurzen Kaffee wollten wir bald weiter, über Hof in Richtung Pirna, einem großen Segel- und Motorflugplatz östlich von Dresden. Das Wetter war schön, blauer Himmel, und wir wurden vom Rückenwind sanft geschoben. Ab und zu etwas ruppige Blauthermik, aber sonst wäre es ja langweilig! Wir übten uns über weite Stecken im Formationsflug, was Dank des großen Geschwindigkeitsbereiches des Kiebitz auch mit der etwas langsameren Sunrise großen Spaß macht. Die Gegend unter uns war herrlich, riesige Wälder und Stauseen. Je näher wir nach Dresden kamen, je sanfter wurden die Hügel und größer auch die Felder und Wiesen, was immer wieder irgendwie beruhigend wirkt, wenn man an Notlandemöglichkeiten denkt.
Wir flogen südlich an Dresden vorbei direkt nach Pirna. Der Flugplatz war leicht zu finden, da er direkt hinter einer Elbschleife liegt. Da wir durch den Rückenwind gut in der Zeit waren, ließen wir den Platz links liegen und flogen nach Osten die Elbe aufwärts. Unten im Fluss Raddampfer und andere Schwimmdinger, interessante, einmalige Felsformationen, ein provisorischer Flugplatz mit startenden und landenden Agrarfliegern, vorbei in Visierhöhe der Kanonenrohre auf der gigantischen Festung Königstein, eine Ehrenrunde über winkende Wanderer auf den Felsengipfeln, weiter bis zur Grenze, einen Umkehrabschwung über den Grenzhäuschen und zurück auf der anderen Uferseite in Richtung Flugplatz Pirna. Die Landschaft dort ist ein purer Genuss für Herzensflieger.
Nach einer kurzen Landung auf der ewig langen Landebahn von Pirna rollten wir lang hoppelnd zu den Abstellplätzen. Wir wurden herzlich empfangen und verzurrten die Flieger windgeschützt zwischen den Hallen. Für den Freitag waren starke Gewitter mit Windböen angesagt, das so lange währende schöne Wetter sollte umschlagen.
Am Spätnachmittag und Abend war Kultur angesagt. Zwinger, Oper, Altstadt, es gibt genügend anzusehen - Dresden ist eine Reise wert!
Der Freitag Vormittag war mit den Geschäftsterminen belegt, in den Pausen wurde im Internet die Wetterlage inspiziert und die regional unterschiedlichen Vorhersagen verglichen. Eines wurde klar: Das Wetter wurde mit Gewittern von Nordwesten und im Südosten deutlich schlechter und für die nächsten Tage war keine Besserung in Sicht. Von Südwesten her war ein kurzes Zwischenhoch angesagt. Wir entschlossen uns, noch heute zurückzufliegen, zumindest bis Kulmbach, um nicht in Dresden für längere Zeit festzusitzen und die Flieger durchweichen zu lassen.
Gesagt, getan. Raus zum Flugplatz, Flieger entzurrt und aufgetankt, und immer ein Blick zum Himmel. Noch war es hier wolkig, aber bereits windig. Bis wir um halb drei Ortszeit abflugbereit im Cockpit saßen, frischte der Wind auf und stand 90 Grad zur Startbahn. Vor uns lagen 200 m Rollweg mit sattem Gegenwind. Ein kurzer Funkspruch, Vollgas und schon waren wir beide in der Luft und quälten" uns, vom Platz wegzukommen. 30 - 40 km/h über Grund, das kann ja heiter werden! Dresden wollte uns nicht loslassen. Kulmbach war weit weg, bei dem Gegenwind weiter als eine Tankfüllung hergab. Da der Wind in Bodenähe geringer war, kopierten wir die Gegend und wichen den Propellern der vielen Windräder aus. Dafür waren die Lee-Turbulenzen und Düsenwirkungen an den Hügeln deutlicher spürbar. Nach gut einer Stunde entkamen wir dem Sog von Dresden und machten endlich 60 km/h über Grund. Der Sprit würde nun doch noch bis nach Kulmbach reichen, weissagte mir das GPS. Von Norden her wurde es immer dunkler. Zum Glück regnete es noch nicht, obwohl die Wolkenunterseiten ziemlich dunkel war. Das Überqueren großer Waldstücke dauerte lange, verdammt lange. Der Tower von Hof hatte Mitleid mit uns und erteilte die Freigabe zum Durchflug der Kontrollzone. Anderer Flugverkehr war nirgends in Sicht, wir waren alleine im großen, weiten Luftraum. Im Süden wurde es auch immer dunkler, nur in Flugrichtung war es hell, welch Glück. Nach dreieinhalb Stunden war endlich der Flugplatz von Kulmbach in Sicht, die bekannte, freundliche Stimme im Ohr. Im Direktflug ging es zur Landung auf Gras. Der Flugleiter warnte uns noch vor Südwindtulbulenzen, aber die Sunrise und der Kiebitz setzten etwas wackelig, aber sicher auf.
Sollten wir jetzt in Kulmbach nächtigen, das gute Bier trinken oder auftanken und doch versuchen, heute noch nach Hause zu kommen? Alfons drängte es nach Hause. Über Funk hörten wir von anderen Fliegerkollegen, dass es in Nürnberg zwar dunkel, aber noch gewitterlos ist. Kurzentschlossen tankten wir nochmals voll und saßen auch schon wieder hinter dem Steuerknüppel. Gas rein - und ab gings auf der Asphaltbahn gen Westen.
Der Start mit den Leewirbeln war etwas unruhig. In Richtung Bamberg war es noch hell, rechts und links unserer Route wurde es beängstigend dunkel. Je näher wir nach Bamberg kommen, desto stärker wurde der Gegenwind. Vor uns lag Bamberg mit einer Möglichkeit zur Zwischenlandung. Wie die Baumkronen einer Allee lagen rechts und links unserer Flugroute dunkle Wolken auf der Lauer, das Ziel am Horizont war hell. Die Autos hatten mittlerweile alle die Lichter an. Die Straßen waren nass, obwohl in 600 m über Bamberg nur vereinzelte Regentropfen auf die Bespannung trommelten. Plötzlich wurde es unruhig. Blitze zucken links und rechts. Sollten wir jetzt in Bamberg landen? Was würden die Gewitterböen am Boden mit uns anstellen? In der Luft fühlten wir uns noch sicherer. Komische Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ist der Kiebitz ein Faradayscher Käfig wie ein Auto? Alfons hatte mit den langen Flügeln seines Tiefdeckers deutlich mehr Probleme die Richtung zu halten als ich mit dem Kiebitz. Irgendwie fühlte ich mich sicher und machte mir mehr Sorgen um Alfons als um mich. Das GPS zeigte wieder 60 km/h über Grund an und das in Richtung Helligkeit - das baut auf! Wir entkamen den Klauen des dunklen Donnergrollens jede Sekunde um einige Meter mehr. Auf einmal hatten wir wieder 90 km/h über Grund, es war geschafft - und immer heller wurde es! Nach einer halben Stunde blendete uns sogar wieder die Sonne! Nur trennten sich unsere Wege. Ich flog 180 Grad in Richtung Günzburg und Alfons weiter in Richtung Mühlacker. Da ich nach Hause wollte, drückte ich den Kiebitz und flog mit Speed in geringer Höhe über das Ries vorbei an Nördlingen, über den Flugplatz von Bopfingen, vorbei am Flugplatz Aalen. Die Dämmerung schritt fort, die Luft war sehr ruhig und ich genoss den letzten Teil meines langen Fluges, während ich das Fliegerlied von Reinhard May laut trällerte. Die Instrumente und das Moving Map leuchteten ungewohnt in der Dämmerung, als ich zur Landung eindrehte und sanft aufsetzte.
Ich genoss die Ruhe am Flugplatz; schob meinen Kiebitz an seinen gewohnten Platz, streichelte ihn noch bevor ich die Schutzdecke überwarf und schob das Hallentor zu.
Was für ein Flug, was für ein Erlebnis! Bei einem gemütlichen Bier ließ ich die Eindrücke nochmals Revue passieren und den Tag ausklingen. Per Handy meldete sich Alfons und teilte mir mit, dass er 40 km vor seinem Heimatflugplatz wegen der einbrechenden Dunkelheit auf einem anderen Flugplatz sicher gelandet war und auf seinen Abholer wartete.
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